Vogelsang

Die notwendigen Ausschachtungsarbeiten im Bereich des vollständig eingestürzten Vogelsang-Gebäudes unter dem provisorischen Badezimmer der Besitzer (Fäkaliengrube), wurden vollzogen – und führten, da nicht von Beginn an begleitet durch den Archäologen des Hauses, Herrn Ocklenburg aus Essen, prompt zu Schwierigkeiten mit den Bauaufsichtsbehörden (insbesondere Kreis Neuss). Dem Architekten und Bauherrn wurde vorgeworfen, mögliche archäologische Erkenntnisse dieses frühen Bauabschnittes nicht gebührend zu sichern.

Wir haben uns nicht lange gestritten – den Archäologen flugs hinzugezogen, die Mehrkosten lächelnd akzeptiert – und weitergearbeitet. Im Bereich des Vogelsangkellers stießen wir auf Reste eines ehemaligen Tonnengewölbes, das darauf hinweist, dass das Gebäude früher unterkellert war. Gleichzeitig stießen wir auf Reste von zwei Fundamentstreifen, die ehemalige Außenwände getragen hatten und die, nach Ansicht der Bauforschung, Fundamentstrecken des frühesten ersten Palasgebäudes (das möglicherweise gleichzeitig mit oder sonst kurz nach dem Turm entstanden ist), getragen haben.

Darüber hinaus fanden wir eine leicht gebogene, etwa 70cm starke Mauer (gleichfalls nur Fundamente), die aus Sicht der Bauforschung Reste der ehemaligen und ersten Umfassungsmauer der Burg (Bauphase 1) darstellen könnte. Der Fund eines silbernen Münzleins (ein Albus?) aussen vor der gerundeten Mauer im gestörten Boden ließ sich beim LVR auf das Jahr 1520 datieren und zeigt auf, dass zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort weitere bauliche Maßnahmen stattgefunden haben müssen.

So reich gesegnet durch Funde im Untergrund, begann die Sanierung und Wiedererrichtung des Kellers, bei der die aufgefundenen Gesteinsreste sorgfältig in die neuen Strukturen eingebunden wurden und so in der Zukunft überwiegend ablesbar vom Keller aus betrachtet werden können.

Im Anschluss an diese schwierige Bauphase, die mit einem gewissen Tempo vollzogen werden musste, weil starke Regenfälle die unsichere Gründungssituation der Treppengiebelwand gefährdeten (wir wollten verständlicherweise weitere Einstürze verhindern), erfolgte der Wiederaufbau des Vogelsangs bis zum Abschluss der Kellerdecke.

Hat Spaß gemacht und war spannend.