Turm

2008, im Jahr des Beginns der Restaurierungsarbeiten von Schloss Liedberg, stand neben der Errichtung der Bauhütte, die wir für die Bauzeit auch zu technischen Bauorganisationszwecken benötigen, die Restaurierung des Turmdachgeschosses.
Die notwendigen Arbeiten waren ursprünglich auf eine Erneuerung der Verschieferung angelegt – wir gingen davon aus, dass Turmdachstuhl und Verbretterung erhalten bleiben könnten.

Das erwies sich als Trugschluss. Nach Entfernen der Verschieferung stellten wir fest, dass die Verbretterung aus den 50-er Jahren, in mäßiger Bauqualität vorgenommen, schwere Verwitterungsschäden trug und entfernt werden musste.
Nachdem das geschehen war, gaben die Zimmerleute Alarm. Das Balkenwerk des Turmdachstuhls, von dessen Überholungsbedürftigkeit wir grundsätzlich wussten, erwies sich als so marode, dass ein sofortiges Handeln nicht aufgeschoben werden konnte. Die ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt vorgesehenen Ergänzungsarbeiten des Balkenwerkes wurden vorgezogen und mit erheblichem Aufwand von der Zimmerei Käding aus Viersen durchgeführt. Dabei wurden etwa 50% der tragenden Balken des Turmdachstuhls (aus dem Jahre 1705) ersetzt. Oder besser gesagt: wir nahmen die in den vorherigen 200 Jahren eingebrachten provisorischen Flicklösungen raus – und ersetzten das Elend durch neue Eichenbalken. 

Bei der Restaurierung stand die Sicherung des ursprünglichen, konstruktiven Turmdachstuhls und seine Wiederherstellung in der überlieferten Form im Mittelpunkt des Interesses der ausführenden Firma und des Planers. Mit großem Können hat die Zimmerei Käding den Dachstuhl so durchrepariert, dass man heute an dem maßhaltig geschnittenen neuen Eichenholz ablesen kann, aus welchem Jahr es kommt –  in der Konstruktion aber die ursprüngliche Dachkonstruktion der welschen Haube wiederfindet. Der vermutlich seit dem barocken Aufsatz des Turmdachstuhls nicht mehr über Dach geführte historische Kamin wurde wieder aufgemauert und über Dach geführt. Er schließt nunmehr wieder die beiden großen Wandkamine in den Turmsälen Hochparterre und OG an. 

Die vollständige Einrüstung des Turms nutzten wir, um das Turmmauerwerk von außen zu überarbeiten. In diesem Zusammenhang erledigten die bei uns zu diesem Zeitpunkt beschäftigten sechs jungen Damen der Werkbundakademie Nürnberg (Magdalena, Sabrina, Anna und die drei weiteren Freundinnen) hervorragende Arbeiten, indem sie altes Fugenmaterial entfernten und zusammen mit dem Maurermeister Demke eine neue Verfugung überall da einbrachten, wo dies erforderlich und sinnvoll war. Nicht unwesentliche Bestände der alten Fugen konnten aber erhalten werden.

Gleichzeitig haben die sechs Mädels der Werkbundakademie Freilegungs- und Aufräumarbeiten im Inneren des Turms vorgenommen und bei dieser Gelegenheit mannigfache Reste der mittelalterlichen Ausstattung des Turmes gefunden bzw. freigelegt. In diesem Zusammenhang konnten auch zwei in der Barockzeit zugemauerte Fensternischen freigelegt werden. Heraus kamen die ursprünglichen Sitznischen der Bauzeit des Turmes und die dahinter befindlichen Querstockfenster.