Turm

Dem Turm wurde 2014 äußerste Aufmerksamkeit zuteil! Verschiedene Handwerker haben hier Meisterleistungen vollbracht. Wie im Einzelnen zu schildern sein wird.

Der untere Turmsaal erhielt den „Renaissance“- Zierboden, der ihm zugedacht war. Das erklärt sich so: Im oberen Turmsaal haben wir im Verlaufe der letzten Jahre bei weitergehenden Aufräumungs- und Zimmermannsarbeiten nicht unerhebliche Reste eines Zierparketts entdeckt, das der LVR stilistisch in die Renaissance einordnet und das mit Hilfe des Architekten Martin Breidenbach minuziös aufgemessen und per CAD verewigt wurde. Dann haben wir die alten Holzteile ausgebaut, denn sie konnten an der Stelle nicht verbleiben, zudem waren sie überwiegend schadhaft, zum Teil auch nicht vorhanden bzw. abgängig.

Wir haben uns schon damals entschieden, diesen Renaissance-Zierboden dem Raum zuzuordnen, dem er später zeitgeschichtlich am ehesten entspricht – und das wird nicht der obere Turmsaal sein, sondern der untere. Der wird aufgrund seiner erheblichen barocken Zutaten im Stil des Barock restauriert werden – und da passt der Renaissanceboden, wenn wir einmal ob der 100 Jahre Differenz die Augen wohlwollend zudrücken, besser hinein. Der obere Turmsaal, wir kommen dazu später, wird aufgrund der nicht unerheblichen Baubefunde aus der Bauzeit des Turmes ein diesem Zeitraum entsprechendes Gepräge haben, also im Sinne der Stilmerkmale des Hochmittelalters restauriert werden.

Der „neue Renaissance“-Boden (die alten Holzteile waren nicht mehr verwendbar, zu wenig davon, ein Teil leider während der Bauarbeiten auch noch verschwunden) wird vom Restaurator Martin Waude aus Mönchengladbach auf Basis von Ahorn- und Eichenholz gemäß der exakten Maßvorgaben des Architekturbüros, das seinerzeit die ursprüngliche Aufnahme gemacht hat, neu erstellt. Das hat Martin Waude vollzogen, aufgrund seines vorgerückten Alters (er ist jugendliche 75 Jahre alt), sicherlich eine besondere Meisterleistung. Viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, viel Herzblut und Engagement sind eingeflossen.

Gleichzeitig erhielt der Raum sein letztes Finish aus Oberputz und Feinputz (Yosima aus der Produktpalette Breidenbach – Claytec Viersen) und ist als erster im Schloss bereits mit den ihm final zugedachten Leuchten ausgestattet.

Seine Einweihung erhielt er bei einem Treffen der Deutschen Burgenvereinigung mit Minister Groschek 2014! Alles, was Rang und Namen hatte in der Denkmalpflege, bis hin zur Dienststellenleiterin des LVR – Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Frau Dr. Andrea Pufke, war anwesend. Ein schöner Anlass!

Im Dachgeschoss des Turmes konnten wir zur Bildung des notwendigen feuerpolizeilich erforderlichen Brandabschnitts eine historische Eisentüre einbauen, die der Bauherr, findig als alter ebay-Fuchs, günstig erwerben konnte und die anschließend von der Schmiede Poos aus Viersen restauriert und eingebaut wurde.

Dann haben wir uns auf den oberen Turmsaal gestürzt. Die Dichte der Baubefunde aus der Bauzeit - über Hinweise zur Deckenkonstruktion und die schon vor Jahren errichtete, neue alte Decke, die vorhandenen Konsolsteine, die Reste der Kaminanlage, die zwischenzeitlich auch restauriert wurde, die Fensteröffnungen, die zumindest zum Teil noch dem hochmittelalterlichen Duktus des Querstockfensters folgen, der Zugang in die ehemalige Spindeltreppe, die der ursprünglichen Erschließung des Turmes diente, bis hin zu Malereibefunden – legt eine Restaurierung nahe, bei der der Zeitepoche der Bauzeit des Turmes, ca. 1300, entsprochen wird. Dabei ist es nicht Ziel des Bauherrn, zu verunklaren, dass diese Maßnahmen der großen Baumaßnahme 2010 ff. entspringen. Dies ist auch in Details immer wieder ablesbar und wird in die entsprechenden Dokumentationen einfließen.

Der Boden besteht aus Terres Bleu, in Luxemburg erworbenen, hartgebrannten Tonfliesen, wie sie in ganz Europa über Jahrhunderte Verwendung fanden und die uns durch ihr besonders schönes Farbspiel in grau-braun-beige-schwarz-Tönen gut gefielen.

Vor dem Kaminbereich wurden alte Sandsteinplatten ausgelegt, die so einen neuen dauerhaften Platz gefunden haben. Der Kamin selbst wurde, historischen Vorbildern folgend, im Brandbereich mit senkrecht gestellten, zweitverwendeten Schieferplatten ausgestattet. Wie sich das bewährt, werden wir herausfinden.

Der Fußboden erhält eine Fußbodenheizung, zusätzlich benötigen wir eine Fläche an der nördlichen Wand dieses Raumes als zusätzliche Wandheizungsfläche. Sie wurde später farbig, im Sinne von Stucculustro-Putz, von Alfredo, dessen Nachnamen ich gar nicht weiß (der aber ganz legal eine Rechnung geschrieben hat :)), farbig behandelt. Sehr schön geworden!

Entsprechend der Gesamtausstattung des Raumes, gemäß seinem Originalzustand, haben wir uns entschieden, die in der Vergangenheit an mehreren Stellen vorgefundenen Reste der ursprünglichen Wandbemalung dieses Raumes zum Vorbild zu nehmen für die jetzige malerische Ausstattung. Entsprechend erhält der Raum oberhalb eines roten Sockelbereiches eine Rankenmalerei, die dem Ursprungszustand nahe kommt, bei aller künstlerischen Freiheit der Restauratorin, die hier tätig werden durfte: Beate Klein aus Straelen. So rankt es nun, die Bilder geben davon Auskunft, fröhlich vor sich hin.

Das Mobiliar eines solchen Raumes ist immer ein schwieriger Punkt, muss es doch einerseits dem Duktus des Gesamtensembles entsprechen, andererseits moderne Anforderungen erfüllen – und drittens auch noch schön sein. Die Schreinerei Hohnen, unterstützt durch die Innenarchitektin Ute Overlack, hat hier ihr Bestes gegeben, die Fotos geben zumindest ansatzweise davon Auskunft. Den Raum ziert nun neben einem erkennbar modernen Regalkorpus ein „königliches“ Bett…

Die Bezugsfertigkeit des Raumes wurde zum Ende des Jahres nahezu vollständig erreicht!